#notiTSen aus Berlin (15/2018)


Mein Zwei-Wochen-Rückblick vom 16.06.-30.06.2018

Die sitzungsfreie Woche im Zeitraffer: Am Wochenende nach Österreich und am #MONTAG (16. Juni) gleich in der Früh auf dem 11. Österreichischen Industriekongress Keynote und Panel. Ein youtube-Video von Das österreichische Industriemagazin mit ein paar Eindrücken poste ich unten in die Kommentare. Abends wieder in München.

#DIENSTAG treffe ich den waldorfshop-Gründer und das große Entrepreneur-Talent Armin Steuernagel an der Münchner Freiheit. Wir reden darüber, wie sich nachhaltiges Unternehmertum stärken lässt, etwa über Genossenschaften und Stiftungen. Er kämpft für eine neue eigene Gesellschaftsform für solche Unternehmen. Ich finde das spannend. Unser Wirtschaftssystem kann mehr Vielfalt und Unternehmen des dritten Weges brauchen - vielleicht bundestagsrelevant!

Am Abend wunderschöne Geburtstagsfeier von Patricia Riekel in Schumann's Tagesbar. Steven und ich mischen uns mit Verve unter die Gästeschar. Er zum #socialbutterflying, ich auf der Suche nach knallharten Fachgesprächen. Werden beide fündig. Helmut Markwort, Tausendsassa und Landtagskandidat der FDP Bayern, versorgt mich mit den neuesten Fakten. Immer ein Gewinn, mit ihm zu sprechen. Der Mann muss in den Landtag!

Am #MITTWOCH kongressieren Thomas Dehler StiftungFriedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Brlv - Bayerischer Realschullehrerverband e.V. im Gasteig München. Ich halte Keynote und stelle ein paar meiner Thesen vor für eine #Exzellenzinitiative Berufliche Bildung: Stipendiatenstiftung für Beruflich Qualifizierte, Exzellenzwettbewerbe unter Berufsbildungs-Zentren, hybride Bildung zwischen Studium und Berufsausbildung, zweites Bildungssystem der Weiterbildung. Große Augen. Staunende Münder. Guter Beifall.

Gleich danach eilig zur Bayerischen Staatskanzlei. Bayerische EliteAkademie wird 20 Jahre alt, 18. Jahrgang. Seit dem 15. Jahrgang spreche ich jedes Jahr über Führung und Transformation in Wirtschaft und (jetzt auch in) Politik. Treffe jedes Mal tolle junge Leute. Keine geföhnten Bubis und Barbie-Püppchen im Business-Look. Sondern Macherinnen und Macher mit Verstand und Herzblut. Viele künftige Gründer darunter. Gegründet hat diese EliteAkademie Edmund Stoiber. Das war noch CSU (Christlich-Soziale Union) mit etwas mehr Verstand. Was ich über diese Partei heute denke, habe ich gestern auf Facebook gepostet – Überschrift: Seehofer & Söder. Zwei charakterlose Gesellen.

#DONNERSTAG mit FDP-MdL Alexander Muthmann nach Niederbayern. Wir sprechen mit Professor Peter Sperber, Präsident der THD - Technische Hochschule Deggendorf. Konzentrierter Austausch über das Potenzial einer der renommiertesten Fachhochschulen Deutschlands, sich zum Nukleus der digitalen Entwicklung Südostbayerns zu entwickeln. Freue mich: Alexander Muthmann war mal Landrat, er hat richtig Fachwissen und weiß, wie man Menschen miteinander verbindet. Ein feiner Kerl. Muss auch wieder in den #Landtag.

Zurück nach München. Abends Vortrag bei der Beiten Burkhardt Anwaltskanzlei. Ich rede über das schöne Thema Mitarbeiter(kapital)beteiligung. Quirlige Diskussion im Anschluss. Finanziell beteiligen ist das eine. Was ich will und was Juristen natürlich herausfordert: auch kulturelle und strategische Beteiligung der Mitarbeiter. Denn im digitalen Zeitalter verlieren Chefs und Betriebsräte an Macht. Gut so! Das schafft Raum für #Unternehmensbürger und Wissenskapitalisten.

Am #FREITAG viele Stunden Mitgliederversammlung der #Zukunftsallianz Arbeit & Gesellschaft. Ich bin Mitgründer und Vorsitzender. Danach ein Wochenende nach meinem Geschmack: konzentrierte Arbeit am Hütten-Schreibtisch mit Blick auf bayerisches Wasser. Sonne scheint. Sammy schwimmt. Steven jätet.

Treffe also voll aufgetankt am #MONTAG zur Sitzungswoche in Berlin ein. Die Fraktionsrunde zum Thema Steuerliche #Forschungsförderung kommt zusammen und stimmt sich mit dem aus Mainz angereisten Volker Wissing ab. Der Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz hatte das Thema bei den Jamaika-Sondierungen vertreten. Wir haben jetzt alle Fäden verbunden und sind uns einig. Worüber genau, verrate ich noch nicht. Aber bald.

Danach in den Flieger nach Nürnberg. Sebastian Zajonz holt mich ab und fährt uns zur Universität Würzburg. Hier wollen Thomas-Dehler-Stiftung und LHG Würzburg über Hochschule, Bildung und Karriere in der digitalen Ära sprechen. Putzmuntere Diskussion nach meinem Referat. Ich merke: das Verständnis wächst, dass soziale Innovation in der Arbeitswelt der Humus ist für technische Innovation – und umgekehrt. Unis müssen viel mehr dafür tun, ihre Studierenden auf die neuen Arbeitswelten vorzubereiten: Exterritoriale Räume, neue Kollaborations- und Autoritätsstrukturen. Kultur auf Augenhöhe. Tech Spaces, Debattierclubs, Innovationslabore, Experimentierräume für soziale Kompetenz. All das gehört dazu. Mindestens. Und studentische Organisationen müssen Rebellen sein für eine solche Kultur. Es geht um ihre Zukunft. Auf, auf Ihr Liberalen Hochschulgruppen! Gute Diskussion, für die ich leider die Geburtstagsfeier von Stephan Thomae in Berlin verpasse. Er ist jetzt 50. Ein tolles Alter, lieber Stephan!

Kurz vor Mitternacht im ICE vor Berlin: Speisewagen. Rostbratwürstchen. Schlecht für die Linie, gut für die Laune des Abgeordneten. Bereite währenddessen nächste Plenarrede vor. Am Donnerstag spreche ich als künftiges Mitglied der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Welt“. Ich redigiere mit Leidenschaft. Senf und Bratfett auf dem Manuskript.

#DIENSTAG In der Fraktionssitzung führt uns Christian Lindner noch einmal anschaulich vor Augen, wie die schamlose Hetzjagd Seehofers und Söders auf Merkel diese Bundesregierung innerhalb Europas erpressbar gemacht hat. Die CSU hat Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron eine schöne Vorlage geliefert, im Gegenzug für eine (fragile und provisorische) Lösung der Flüchtlingsfrage einem Investivbudget in der Eurozone die Tür zu öffnen. So sorgt die CSU für eine weitere Vergemeinschaftung von Schulden und verhindert marktwirtschaftliche Reformen. Das kommt dabei heraus, wenn man „Bavaria first“ ruft.

Aber auch im Bund gibt diese GroKo munter Geld aus. Obwohl Rechnen nicht ihre Stärke ist. Zum Beispiel beim Baukindergeld hat sie sich um 100 Prozent (oder 2 Milliarden Euro) vertan und dann versucht, den Fehler durch Quadratmeterbewirtschaftung (wie in der alten DDR) zu beheben. Hat aber nicht geklappt.

Wir gehen in der Fraktionssitzung elf aktuelle und drei anstehende Entschließungsanträge durch und dann 25 Kleine Anfragen. Produktivität der Fraktion: unerschöpflich. Wenn sich dieses quirlige Bottom-up der Initiativen einzelner MdB nun noch mit der strategischen Fokussierung der Fraktion verbindet – dann sind wir bestens aufgestellt.

Am #MITTWOCH Ausschuss. Wenig diskursiv wie immer, aber ein Hauch von Lebendigkeit. Professor Friedrich Hubert Esser, Präsident Bundesinstitut für Berufsbildung, trägt vor zu seinem jüngsten Berufsbildungsbericht. Bei mir bleibt hängen: Für betriebliche Ausbilder, Berufsschullehrer und Prüfer gibt es keine umfassende digitale und sozialkompetenzorientierte Aus- und Fortbildung. Sondern nur einen zerschlissenen Flickenteppich. Die Berufsorientierung greift auch nicht. Girls'Day und Boys'Day sind Symbolpolitik, bewegt haben sie seit Jahrzehnten nichts. Ich empfehle: nach Dänemark und Österreich schauen. Die machen vor, wie man Berufsfelder erfahrungsorientiert kennenlernen kann. Ist Professor Esser wieder einer der Experten, deren Wissen und Kompetenz von der Politik gehört und dann vergessen wird?

Danach pendele ich zwischen Plenum und Büro. Die achte Version meiner Rede für Donnerstag steht. Ich übe vor meinem motivierten Publikum im Büro. Jede Silbe drehen und wenden wir, denn bei drei Minuten dürfen es kaum mehr werden als 330 Wörter. Macht viel Spaß. Wir entscheiden uns kurzfristig noch einmal für einen anderen Schluss. Gute Rennfahrer ziehen zwischendurch auch noch einmal andere Reifen auf. Packe Version 9 in den Aktenkoffer.

Zwischendurch Blick nach Russland. Deutsche Fußballer verlieren gegen südkoreanische Fußballer. Strafe für Leistung ohne Leidenschaft. Effizienzorgien und Abarbeitskultur bringen weder den Sport noch eine Volkswirtschaft nach vorne. So kann ein Hochleistungsland genau so wie Spitzensport erodieren. Gabor Steingart beschreibt dies am nächsten Tag trefflich in seinem neuen, täglich sehr lesenswerten Morning Briefing, das er nun ohne Handelsblatt betreibt.

Heute Abend kleine #HouseWarmingParty in meiner Berliner Wohnung. Auftakt hoffentlich vieler Get-togethers, zu denen Steven und ich in Berlin einladen wollen. Petrus ist uns gewogen, die Terrasse bleibt trocken und fesselt über 70 Gäste bis Mitternacht. Habe mich über alle Zusagen sehr und über einige ganz besonders gefreut - mir aber vorgenommen, keine Fotos zu machen und keine Namen zu nennen. Politik, Wirtschaft, Medien, Gründerszene, Gay Community waren vertreten. Alle sind brav geblieben. Dennoch: What happens in Thomas’s home, stays in Thomas’s home.

#DONNERSTAG eines dieser typischen Vor- und Anglühgespräche mit Verbänden, heute Morgen mit dem Verband der Chemischen Industrie e.V., Arbeitskreis Bildung und Forschung. Mir sitzen Unternehmer und Manager gegenüber, keine Verbandsfunktionäre. Meine Welt! Und in mir haben sie einen Gesprächspartner, der keine von der Praxis losgelösten Phrasen drischt. Wir reden darüber, dass wir deutsche Unis und Forschungslandschaften einem Review unterziehen müssen. Alles derzeit zu inzestuös – auch aus Sicht der Kunden und Auftraggeber. Erkenntnistheorie gut und schön. Aber so lange die Verwertung von Wissen hierzulande verpönt bleibt, werden uns Asiaten und Amerikaner weiter die Butter vom Brot nehmen. Transfer von Spitzenforschung ist eine unserer Achillesfersen.

Anschließend zurück in den Bundestag. Wie immer pendeln zwischen Büro und Plenum. Ich spreche am Nachmittag zur Enquete-Kommission Berufliche Bildung, kurz vor mir ist Kollege Jens Brandenburg dran. Wir sind ein richtig gutes Duo und ergänzen uns prächtig. Video meiner Rede findet sich unten. Am Ende rufe ich der Bundesbildungsministerin zu: #RanandenSpeckFrauKarliczek. Viele freuen sich über den Reim. Hoffe, sie merken auch, dass ich ihn völlig ernst meine. Dieses Land hat keine Zeit mehr zu verlieren. Hört man den anderen Fraktionen zu, spüre ich eher Substanzlosigkeit. Es wundert mich, dass Regierungsfraktionen untereinander so ein Gelabere dulden. In einem Unternehmen würde ich sofort Schulungen verordnen mit Fokus auf inhaltliche Tiefe und spürbare Motivation.

Zum Abschluss des Tages verknüpft die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag eine Debatte über Wolfsmanagement mit der Flüchtlingsfrage. Völlig abstrus. Eine hyperventilierende Fraktion, deren Tunnelblick sich immer weiter nach ultrarechts verengt.

Am #FREITAG bin ich gespannt auf die Stunde der Abrechnung nach 100 Tagen GroKo mit Anja Karliczek. Der Grundtenor in der Presse für sie ist ja freundlich-jovial. Ein bisschen unverbindlich erscheint sie mir, ein bisschen ohne Vision, vielleicht auch ohne die Erfahrung, einen Koloss wie das BMBF zu reiten und auf ihre ganz eigene Spur zu bringen. Für die FDP spricht Katja Suding. Die anderen Fraktionen folgen mit so inhaltsleeren Reden, dass man zu glauben beginnt, bei Bildungs- und #Innovationspolitik ginge es um Klippschulen. Als die SPD-Abgeordnete Wiebke Esdar ausführt, Grundlage guter Wissenschaft sei soziale Sicherheit, rufe ich „Verdi in die Spitzenforschung!“ dazwischen. Warum nur so unprofessionell und erschreckend kompetenzlos, frage ich mich. Wir brauchen mehr Praktiker in den Parlamenten.

Am Nachmittag zum Tarifforum 2018 der Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Stiftung. Ein guter Grund, nicht weiter märchenhafte Reden anzuhören. Im Melia Hotel Berlin am Bahnhof Friedrichstraße geht es um konkrete Realitäten und Blitzen in den Augen. Ich spreche über notwendige Weiterentwicklung von Mitbestimmung und Arbeitspolitik und fordere, dass das Quatschen über Digitalisierung aufhört und Millionen arbeitende Menschen basisqualifiziert werden. Treffe den Nerv der Zuhörer und verpasse damit leider an diesem Nachmittag einen #Hammelsprung.

Hätte ich nicht schon so viel geschrieben, könnte ich jetzt über die Sinnhaftigkeit solcher parlamentarischen Rituale aus dem vorvergangenen Jahrhundert philosophieren. Aber die nächsten #notiTSen kommen bestimmt. Nächste Woche ist die letzte Sitzungswoche vor der sogenannten Parlamentarischen Sommerpause.

Sammy, Steven und ich sind am Wochenende in Berlin geblieben. Dank eines Fells mit hohem Lichtschutzfaktor kann sich Sammy wunderbar auf dem Balkon sonnen. Meine Schreibtischarbeit habe ich unterbrochen, um mit Steven "THE ONE Grand Show" im Friedrichstadt-Palast Berlin anzuschauen. Wähle vor meinem geistigen Auge Kostüme von Jean Paul Gaultier für einige Alpha-Tiere im Parlament aus, die mir diese Woche besonders im Gedächtnis geblieben sind.

Der heutige #SONNTAG steht im Zeichen der Fraktionssitzung, die ist nämlich diesmal schon morgen. Denn in einer #Haushaltswoche ist alles anders. Bericht folgt.

#PostScriptum:
Ich habe noch Plätze frei bei meiner nächsten Informationsreise nach Berlin vom 30. Juli bis 2. August 2018. Fahrt hin und zurück in der Gruppe ab Münchner Hauptbahnhof mit der Bahn. Reichstagsbesichtigung, Gruppengespräch mit mir, Berliner Sehenswürdigkeiten und diesmal auch das Kanzleramt (von innen!) stehen auf dem Programm. Das ist alles so gut wie kostenlos: Unterkunft im Doppelzimmer, Mahlzeiten, Fahrt mit Bus und Bahn und die allermeisten Eintrittsgelder übernimmt der Bundestag. Wer noch mitkommen möchte: bitte unbedingt in den nächsten Tagen melden bei Konstantin Werner, der bei uns im Büro diese Reisen gekonnt koordiniert. Am besten per Mail unter: thomas.sattelberger.ma05@bundestag.de